LUCIDA CONSOLE

Lucida Console ist ein Translatorium Maximum aus tausend Sprachen und Redeweisen, die über Anführungszeichen miteinander verbunden sind. Immer wiederkehrende Themenfiguren bevölkern das Gespräch. Dieses weist eine lipogrammatische Struktur auf, d.h. es entwickelt sich um eine Leerstelle herum, ein Ort, an dem der Austausch von Rede stattfinden kann. Dieser Austausch ist angewiesen auf Übersetzung. Der Übersetzungsvorgang greift auf die strukturelle Leerstelle als operative Basis zurück.

Der Verlauf des Gesprächs zwischen den beteiligten Sprechpositionen erfolgt nach den Grundsätzen des freien Redemarkts, wobei die Sprecher und Sprecherinnen innerhalb des Haupttextes (leuchtmarkerfarben) anonym bleiben, außerhalb dessen aber im Sprecherverzeichnis (Fußnotentext, weiß) transparent gemacht sind. So ist eine sowohl romantische wie auch archäologische Lektüre möglich.

Die Moderautorität zieht einen roten Faden (Vektor in Fabula) und beschildert das Gelände mit Zeichen aus der logocloud (s. Cover), die sich im Laufe der Lektüre mit  Bedeutung vollsaugen und so den Translationssprung von Rede zu Folgerede erleichtern sollen.

Switch & hop!

 

 

 

 

 

 

For Word

 

Lucida Console ist der Name der Schrift, in der der folgende Text geschrieben steht. Der Text setzt sich aus Bausteinen unterschiedlicher Literatur, unterschiedlicher Sprachen und Redeweisen, unterschiedlicher zeitlicher und räumlicher Herkunft zusammen. Die Schwerpunktwahl des Materials spiegelt die diskursive Verortung der Autorin wider. Die Quellen wurden über den Kopiervorgang hinaus nicht weiter manipuliert; allerdings werden manche Stellen besonders betont (Fettdruck).

Der Verlauf des Gesprächs zwischen den beteiligten Sprechpositionen erfolgt nach den Grundsätzen des freien Redemarkts, wobei die Sprecher und Sprecherinnen innerhalb des Haupttextes anonym bleiben, außerhalb dessen aber im Sprecherverzeichnis (Fußnotentext) transparent gemacht sind. Die Moderautorität zieht den roten Faden (“Vektor in Fabula“).

Das Gespräch weist eine lipogrammatische Struktur auf, d.h. es entwickelt sich um eine Leerstelle herum, nicht um ein gemeinsames Thema oder Programm. Die Leerstelle bezeichnet einen neutralen Ort, an dem der Austausch von Rede stattfinden kann. Dieser Austausch ist angewiesen auf Übersetzung. Der Übersetzungsvorgang greift auf die strukturelle Leerstelle als operative Basis zurück.

Die Protagonisten des Gesprächs sind einige wenige Themenfiguren, die in veränderter Gestalt immer wiederkehren und mit sporadischen Zurufen aus einer sehr heterogenen Menge, dem unberechenbaren Publikum, bedacht werden. Oft verläuft sich das Gespräch ins Leere oder es nimmt Polemik überhand. Oft sieht sich das Gespräch mit Gesprächsverweigerung konfrontiert. Auch diese ist schon eine bekannte Figur.

Immer wieder wird über die Form des Gesprächs diskutiert (eine weitere Protagonistin) und über die Rolle derjenigen, die nicht daran teilnehmen (eine weitere). Über dem Gelage liegt ein Hauch von Utopie, Ironie und eine Art von Schmäh, die nicht immer geschätzt wird. Da irgendwann die Ressourcen versiegt sind, hat das Gespräch ein Ende gefunden (bei Sonnenaufgang, wo üblicherweise ein neuer Sprechtag beginnt).

 

 

 

 

Auszug 1: Lucida Console (cum riots), S. 39 – 59, > > > hier (pdf) oder > > > hier (html)

 

Auszug 2: Lucida Console (cum Endlicher), S. 223 – 225 und 243 – 246, vgl. > > > Gott Alfabet und sein Knecht Endlicher

 

Auszug 3: Mini Console, S. 46 – 59:

 

 

Lucida Console

 

 

(...)

 
T O B R E V I E R S C H R E I V E R B O T  [1]

Das skizzierte Modell zur Hegung von Bürgerkriegskonflikten ist nur ein Beispiel für die Zivilisierung unteilbarer Konflikte. Für die Auseinandersetzungen zwischen Inländern und Migranten, Männern und Frauen, Alten und Jungen, Modernisten und Fundamentalisten wird es – im Rahmen des demokratischen Streitmodells – anderer Verfahren bedürfen. [2]

 
Der sprachliche Vorschlag dazu wäre, das Wort „wir“ immer in Bezug auf die Menschheit zu verwenden. Möchte ich auf spezielle Umstände einer bestimmten Situation eingehen, sage ich „diejenigen von uns“. Zum Beispiel: diejenigen von uns, die in China geboren wurden; [3]

 
die deutsche Vorfahren hatte, als Kind in Wien und in Paris aufwuchs und zu der Zeit besser Deutsch und Französisch sprach als Englisch, das sie erst später lernte. [4]

Ich konnte überhaupt nicht Englisch sprechen. [5]

- Connais-tu l’anglais ? voulut-il savoir.

- Jawol, I said.

L’on parla donc anglais ou plutôt l’on spiqua anglisch. [6]

Mein Vater, er hat acht oder neun Sprachen gesprochen, hat mir sehr viel geholfen. [7]

 
„Sprichst du das Ami-Idiom?“ fragt mich Boß.

„Jawohl, I said.“

Ich sprach also Ami-Idiom mitm Boß bzw. I spikd schottisch with him. [8]

Ich hab sehr intensiv gelernt. Ich hab die New York Times jeden Tag gelesen mit einem Wörterbuch, aber es hat Jahre gedauert, bevor ich gut Englisch sprechen konnte. [9]

For a long time these phenomena were treated as translation mistakes under the pejorative heading of ‚translationese’, also called ‚the third language [10]

die sie anglisierend „Steinese“ nannten [11]

Teach me Chinese [12]

Teach them disobedience, I said, make every German child know that it is its duty at least once a day to do its good deed and not believe something its father or its teacher tells them, confuse their minds, get their minds confused and perhaps then they will be disobedient and the world will be at peace. [13]

Quoth she (sc. Gertrude Stein) that the German people are obediently warlike and advises teaching every German child disobedience by confusing their little minds and getting their little minds confused so there will be peace. And how to do this is simple say I. [14]

 
It is true, this kind of studying is definitely a decentering practice, but that is the point. [15]

 
Namenswörter, die wir manchmal als Abkürzung anstelle des Nebensatzes verwenden, neigen hingegen leichter dazu, das Bild einer fixen, umfassenden, unveränderlichen Identität zu suggerieren. So etwa: „Ich bin Ausländerin“ im Vergleich zu „Ich lebe derzeit in Österreich“. [16]

Schleiermacher’s insistence on ‘foreignness’, his positive eulogy of ‘translationese’ clearly indicates that [17]

 
In today’s world people must learn to “de-center” themselves and to cope with cultural, racial, sexual, and social differences in a better way than we see it on TV reports over Kosovo. [18]  

Dieser Krieg wird in den diskursiven Rahmen gepasst, der in den vergangenen fünf Jahren entstanden ist. [19]

Oulipian dislocations of this „natural“ language counter its de facto authority or, at the least, provide an alternative to it. [20]

wovon man sagt, das ist das A und O von Aktualität, das ist modisch, Doktrin, wo das Absolutprimat vom Signifikant stützt [21]

 
Similarly in translation, the moment an element in the text draws attention to itself, it will draw the reader’s attention to the fact not only that this is a translation but, consequently, that it is a piece of writing. [22]

s’inspirant d’un support doctrinal au goût du jour qui affirmait l’absolu primat du signifiant, [23]

 
Seine zwei Körper ermöglichen es dem Monarchen zwischen dem Irdischen (der Gesellschaft) und dem Transzendenten (der göttlichen Legitimität der Gesellschafts-Ordnung) zu vermitteln. [24]  

Language by its nature makes us focus on its conclusions, not its presence. [25]

 
Dieses symbolische Dispositiv wird mit den republikanischen Revolutionen grundlegend und irreversibel umformuliert, indem der vom Körper des Königs besetzte Ort der Macht zur Leerstelle wird. [26]

Weil die inhaltlichen Elemente beliebig und austauschbar wirken, wird der Blick des Lesers auf den Ausdruck, das ‚Wort’, die ‚Sprache an sich’ gelenkt. [27]

 
When the Red Queen tells Alice to hurry up and say what she thinks, Alice replies, « How can I say what I think till I see what I say ? » [28]

SchülerInnen besetzen das Rektorat und rufen im Radio an, zugleich hören sie ihre Schreie über das Radio; [29]

symbolischer Kulminationspunkt der Geburt des demokratischen Dispositivs ist der Moment der Enthauptung des Königs. [30]

Il a disparu. Qui a disparu? Quoi? Il y a (il y avait, il y aurait, il pourrait y avoir) un motif tapi dans mon tapis, mais, plus qu’un motif: un savoir, un pouvoir. [31]

In diesem Moment fällt die Delegitimation des sakralen Körpers des Königs mit der Dekorporierung seines irdischen Körpers zusammen. [32]

Non pas la mort (quoiqu’à tout instant la mort s’affirmât), non pas la damnation (quoiqu’à tout instant la damnation s’affichât), mais d’abord l’omission : un non, un nom, un manquant : [33]

 
Von nun an wird Gesellschaft mit den Paradoxa eines leeren Ortes der Macht und der radikalen Unbestimmtheit ihrer eigenen Legitimationsbasis zurande kommen müssen. [34]

tout a l’air normal, tout aura l’air normal, mais, dans un jour, dans huit jours, dans un mois, dans un an, tout pourrira : il y aura un trou qui s’agrandira, pas à pas, oubli colossal, puits sans fond, invasion du blanc. [35]

 
Aber ist das so schlimm? Demokratische Gesellschaften werden ja nicht durch die stumme Eintracht ihrer Bürger zusammengehalten, sondern durch die Formen ihres Streitens. [36]

A possible counter-argument would be that the radical break of the ’democratic invention’ consists in the very fact that what was previously considered an obstacle to the ’normal’ functioning of power (the ‘empty place’ of power, the gap between this place and the one who actually exerts power, the ultimate indeterminacy of power) now becomes its positive condition; [37]

 
Was ich mir also vornahm, war nicht nur Last, war nicht nur Zwangswams, das war auch, grosso modo, Stimulanz und Stützung. [38]

non un poids mort, non un carcan inhibant, mais, grosso modo, un support stimulant. [39]

 
What this means is that – to put it in the well-known Derridan terms - the condition of impossibility of the exercise of power becomes its condition of possibility: [40]

nn-1

 

 
wohl gerade auch deshalb, weil hier der Autor das Handicap nicht elegant zu überspielen sucht, sondern – auffällig – aus seinem Schlagschatten heraus eine einprägsame stilistische Strategie verfolgt. [41]

 
plus tard, quand nous aurons compris la loi qui guida la composition du discours, nous irons admirant qu’usant d’un corpus aussi amoindri, d’un vocabulariat aussi soumis à la scission, à l’omission, à l’imparfait, la scription ait pu s’accomplir jusqu’au bout. [42]

 
just as the ultimate failure of communication is what compels us to talk all the time (if we could say what we want to say directly, we would very soon stop talking and shut up for ever) [43]

In der Tat: Wenn die Sprachen perfekte Äquivalenzen erlaubten, gäbe es wenig Anlaß für schriftstellerische Kreativität. [44]

 
My language study project is not about perfection. It is about „basics“ and remains dilettantish. In a world that lures with perfection, art is mostly involved in some kind of strange dilettantism. [45]

der Versuch, aus dem ausdifferenzierten System der Spezialdiskurse auszubrechen. [46]

 
Es ist wichtig, einfache symbolische Namen zu finden, wo sowohl Linksradikale als auch KatholikInnen mitgehen können, und zu überzeugen, dass es jetzt notwendig ist. Ein Schulterschluss in  den eigenen Reihen – auf Zeit. [47]

was oft lustig werden kann, haben die Kooperationspartner lebenskulturell meist nichts gemeinsam. [48]

 
Ist es somit nicht manchmal besser, die Kette zu sprengen, als um jeden Preis alle mit allem zu vernetzen? [49]

 
Freilich ist der schwache oder phantasmatische Status dieses „Wir“ kein Grund zur Verzweiflung – oder besser gesagt: nicht nur ein Grund zur Verzweiflung [50]

Wenn man erst einmal mit der Formulierung „diejenigen von uns“ beginnt, ändert sich wahrscheinlich auch der Rest der Darstellung. Wie beschreibt sich zum Beispiel eine Kriegssituation, wenn ich konsequent nicht „die einen - die anderen“ sage, sondern „diejenigen von uns - diejenigen von uns“? [51]

 
Friedensfreunde und Neocons, Antiimperialisten und Antideutsche wissen genau, wie man sich in diesen Tagen zu „positionieren“ hat. Wieso eigentlich? [52]

Wenn man nur langsam sprechen kann, stottern muß oder eine unnötige Pause zwischen den Wörtern macht, kommt sofort jemand mit einem uniformierten Gehirn an und spuckt Verbesserungsvorschläge, psychologische Ratschläge, pädagogische Angebote oder humanistisches Mitgefühl aus. [53]

 
The easiest way to spot a newly transgendered person is that he or she moves just a bit slower than most people; he or she is unlearning old ways of moving, and picking up new ways of moving. [54]

Bedeutet eine konventionelle Form nicht eine mimetische Anschmiegung an die Verhältnisse, deren Kritik zu leisten wäre? [55]

It’s called “passing”. [56]

Da es immer Menschen gibt, die auf diese Weise unsere Sprachen kontrollieren, domestizieren, angreifen oder zum Verstummen bringen wollen, darf man eigentlich keine Schwäche beim Sprechen zeigen. In die Luft freigelassene Stimmen machen den Sprecher angreifbar. [57]

A translation will be perceived as „wrong“ by a particular reader if it does not fit the image that the reader prefers to associate with the original text. [58]

 
Ob Fehler und abweichendes Aussprechen Charme oder verachtendes Übergehen bewirkt, hängt leider nicht vom sich bemühenden Sprecher selbst, sondern von den (Gruppen-) Einstellungen der einheimischen Interakteure ab, welche offen, verständnisvoll und entgegenkommend oder diskriminierend, fremdenfeindlich und rassistisch sein können. [59]

Man könnte sich zum Beispiel verteidigen, indem man nichts sagt. Aber Schweigen ist in Deutschland verboten. Was tun? [60]

 
Here’s one: As part of learning to pass as a woman, I was taught to avoid eye contact when walking down the street; that looking someone in the eye was a male cue. [61]

parodieren aber bedeutet in diesem zusammenhang nichts anderes als: konventionalisieren. [62]

 
Nowadays, sometimes I’ll look away, and sometimes I’ll look someone in the eye – it’s a behavior pattern that’s more fun to play with than to follow rigidly. [63]

When I was transferred to regular school after six months, the teacher asked me if I would prefer him to use the standard idiom or the dialect. I didn’t understand those words so I just said “yes”. [64]

The word “yes” was almost his entire vocabulary. “Yes” can be said without emotional expenditure. Saying “no” reddens the face. [65]

 
Translation: In the West, „yes“ generally means yes. In Iran, “yes” can mean yes, but it often means maybe or no. [66]

 
In der Sprache Spivaks heißt dies »strategischer Essentialismus“, aus politischen Gründen eine Identität zu verteidigen, wohl wissend, dass diese eine Illusion ist. [67]

At this stage, looking day after day at applications from hopeful Ph.D.’s, I began to develop moral qualms. [68]

Und auf welcher Seite stehen Sie? [69]

 
My question is quite practical. Here we have my desk. A French text on the left ; a corresponding German text on the right [70]

J.-P.B.: Mais là, je ne marche pas ! Vous voulez me faire jouer le jeu que je dénonce : vous, Bacri, qui étiez dans tel camp, comment voyiez-vous l’autre, votre contraire ? Je refuse d’entrer dans ce jeu ...

Ne soyez pas agacé ... [71]

It was as simple as the two piles of applications on my desk: one for minority candidates, another for nonminorities. [72]

I inevitably get two queries: “What makes you an outlaw?” to which I always reply that I break the laws of nature. [73]

 
Only once did I actually have to call a department to ask bluntly if a candidate was black (he wasn’t); [74]

The second question is almost always, “M or F?” to which I answer, “Yes.” [75]

 
die Frage ist falsch. Das ist eine Entweder-oder-Frage. Wenn man fragen würde: "Sprechen Sie Slowenisch und Deutsch?", würde man viele Ja-Antworten bekommen. [76]

 
Vous, Jean-Pierre, qui veniez du théâtre privé, comment la perceviez-vous cette intelligentsia de gauche, celle de Chéreau, de Nanterre ? [77]

J.-P.B.: Mais là, je ne marche pas ! Vous voulez me faire jouer le jeu que je dénonce : vous, Bacri, qui étiez dans tel camp, comment voyiez-vous l’autre, votre contraire ? Je refuse d’entrer dans ce jeu ... [78]

Valéry hat es als Beispiel « schulischer Einfältigkeit » (niaiserie scolaire) kritisiert, der Zwang zur Opposition erzeuge die Gegensätze [79]

Ne soyez pas agacé ... [80]

Für jede Frage fünf Euro. [Lachen] Oder für ‘Wo kommst du her?’ – zehn Euro. ‘Bist du ein Mann oder eine Frau, oder was bist du?’” “50 Euro.” [Lachen]. [81]

 
Wahrscheinlich ist das Beste, das man in diesem Dilemma tun kann, sich für das Dilemma selbst zu entscheiden. Das heißt, in jener Lücke zu verweilen, die keiner der Begriffe schließen kann. [82]

J.-P.B.: Je suis agacé par l’exclusion et par la vue courte. Notre propos n’est pas de [83]

den erpressten Entscheidungen und faulen Kompromissen ein für alle Mal aus dem Weg zu gehen, sondern sie als solche zu erkennen. [84]

 
if preferential treatment were abandoned. How, in my most optimistic view, would the world look different? [85]

»Ich denke nie von Toni als von einem ... schwarzen Autor oder als von einem ... weiblichen Autor, sondern« – er machte eine Pause, [86]

 
What might the desktop emptiness represent? [87]

und ich sagte: »– als von einem weißen männlichen Autor!« Alle brüllten vor Lachen – aber ich hatte nur seine Leerstelle mit der Assoziation gefüllt, die ohnehin im Raum war! [88]

Whites would quit assuming that black colleagues had been hired because they were black. Blacks would quit worrying that they had been hired because they were black. [89]

 
Non pas en arriver au point où l’on ne dit plus je, mais au point où ça n’a plus aucune importance de dire ou de ne pas dire je. [90]

 
bedeutet also eigentlich weder eine Relativierung noch eine Historisierung der Hebelgesetze; er bedeutet nur, daß die Hebelgesetze in der geschichtlichen Entwicklung Teile eines umfassenderen Systems der Technik werden, daß ihnen später nicht mehr die zentrale Bedeutung zukommt, die sie am Anfang hatten. In ähnlicher Weise glaube ich, [91]

that such a decision will not necessarily be immediate, a team may well find itself split between two alliances. Such a situation opens them up to the possibility of their enemies uniting, making maximum use of this confusion. [92]

was für eine Unverschämtheit es ist, dass die weißen Akademien Europas und der USA sich anmaßen, in just dem Moment Repräsentation, Identität und Wahrheit zu verabschieden, wo sich ehemalige Kolonialstaaten das Recht herausnehmen, eine Identität zu reklamieren, [93]

LC

 
weil es sie danach verlangte, den eigenen Namen zu schaffen oder zu bilden, um sich darin zu versammeln [94]

an einem für die iranische Obrigkeit unverdächtigen Ort: in Mekka. [95]

 
Dadurch hat der Ort AUDIMAX (und auch aufgrund der großen Anzahl an Aktivist*innen) den Vorteil und den Fluch das ALLE (FREAKS / SPINNER*INNEN/ REISENDE/ KREATIVE/ ANSTRENGENDE UND TOLLE LEUTE) hierher kommen. [96]

Es ist wichtig, einfache symbolische Namen zu finden, wo sowohl Linksradikale als auch KatholikInnen mitgehen können, [97]

The Quick Brown Fox Jumps Over The Lazy Dog. [98]

man kommt aus Amerika, Schweden, Österreich und Iran angereist [99]

(„auf daß wir nicht verstreut leben ...“) [100]

und es wird gelacht, gestritten, gekocht und gefeiert. [101]

Heavy boxes perform quick waltz 102]

wie in der Einheit eines Ortes, der eine Sprache und ein Turm ist, [103]

Lucida is also another name for the star Alpha Monocerotis

Lucida ist a family of typefaces designed by Charles Bigelow and Kris Holmes in 1985. [104]

beides zugleich, das eine wie und als das andere. [105]

 
Solange nicht alle Menschen Zugang zu Wissen und Informationstechnologien haben und dies so nutzen können, dass ihr Leben dadurch bereichert wird, kann es keine „virtuelle Gemeinschaft“, kein „globales Dorf“, keine „Cyberdemokratie“ und keine „elektronische Agora“ geben. [106]

Was ist eigentlich ein öffentlicher Raum? Die Antwort auf die Frage liegt scheinbar auf der Hand: [107]

A monospaced font with a large x-height, making it readable at all sizes [108]

Es geht also um “Access for all” und um “E-Literacy for all”. [109]

Wenn die verbreitete Rede von der „kollektiven Identität“ moderner pluralistischer Gesellschaften überhaupt einen Sinn macht, dann bilden nicht rituelle Bilder, Symbole und ethnische Narrative, sondern durchgefochtene politische Konflikte das Medium, in dem sich diese Identität, dieses Bewußtsein eines gemeinsam geteilten Raumes herausbildet. [110]

Es wird weiterhin gekocht, hergerichtet und geplaudert, während immer mehr Menschen zum Projekt dazukommen und sich mit ihren Ideen einbringen. Ein Kost-Nix-Laden wird sporadisch eingerichtet und ein Grätsl-Café hergerichtet. [111]  

es handelt sich dabei um einen Raum, der für alle Menschen gleichermaßen zugänglich, eben öffentlich ist. Dieser Raum darf von allen Menschen im Rahmen der Gesetze gleichberechtigt genutzt werden. [112]

Wer Interesse hat, ist herzlich eingeladen sich am Hausprojekt zu beteiligen und unsere Anliegen vorort zu unterstützen! Wir freuen uns auf euer Kommen und rege Beteiligung! [113]

 
Jeder konkrete Gegenstand («Ayn», Plural «Aynan») kann zum Waqf erklärt werden, wenn ausgeschlossen ist, dass er durch Gebrauch zerstört wird oder mit der Zeit seinen Wert verliert. [114]

Der Bedarf nach offenen Räumen für gemeinnützige Projekte ist seit Jahren ungebrochen! Die leerstehenden Häuser für diese Nutzung gibt es auch – hohlen wir sie uns! [115]

 
Das Eigentum, das zum Waqf (Mauquf) erklärt wird, gehört nicht mehr dem Geber, aber auch nicht dem Empfänger. Das Eigentum ist effektiv ausgesetzt. [116]

Wir fordern die Aufhebung von Eigentum an Grund und Boden, sowie anderer Produktionsmittel zu Gunsten einer kooperativen und selbstverwalteten Nutzung. [117]

Ein solcher Gegenstand gilt als Eigentum (Milch) Allahs, während dem Empfänger des Waqf (Person oder Institution) die Rechte daran zustehen. [118]

This land does not belong to us. It belongs to itself. [119]

Als realistischen Zwischenschritt fordern wir das Recht lang leerstehenden Raum für unkommerzielle Projekte nutzen zu können. [120]

Ich suche nach elementaren Verhältnissen. Was sind elementare Verhältnisse? Möglichst einfache, möglichst leicht herstellbare - um damit eben experimentieren zu können. [121]

 
C’est pourquoi j’ai essayé de faire, dans un style évidemment un peu particulier, l’histoire non pas de la pensée en général que de tout ce qui « contient de la pensée » dans une culture, de tout ce en quoi il y a de la pensée. [122]

 
Dazu gehören öffentliche Straßen, Plätze, Einkaufszonen, öffentliche Verkehrsmittel und Freizeiteinrichtungen. Als öffentlicher Raum kann aber auch ein Gebäude bezeichnet werden, in dem eine öffentliche Aufgabe wahrgenommen wird, z.B. eine Schule, eine Universität oder ein Amt. Dazu gehört auch z.B. ein Bahnhof. [123]

Car il y a de la pensée dans la philosophie, mais aussi dans un roman, dans une jurisprudence, dans le droit, même dans un système administratif, dans une prison. [124]

 
die Rhetoriken der gewöhnlichen Konversation sind Praktiken, die die “Sprechsituationen” transformieren: es sind verbale Produktionen, bei denen das Geflecht der Sprecher-positionen ein orales Gewebe ohne individuelle Eigentümer bildet: Kreationen einer Kommunikation, die niemandem gehört. [125]

LC

 
z.B.: „Zwölf Boxkämpfer jagen Victor quer über den großen Sylter Deich“ (Quelle: Firma Brother). [126]

In diesem Sinne legitimiert der symbolische Konflikt auf der Bühne der Politik nicht nur gesellschaftliche Konflikte in all ihren Spielarten, sondern vor allem die Instanz des Konflikts, den „grundsätzlichen Antagonismus“ [127]

 
En tout cas, vous êtes tenu de nous dire ce que sont ces discours que vous vous obstinez depuis dix ans bientôt à poursuivre, sans avoir jamais pris le soin d’établir leur état civil. D’un mot, que sont-ils : [128]

 
‘Tea or coffee?’ [129]

es kam zu heftigen kommentaren des publikums, da ich mich weigerte zu sprechen. [130]

Also fragten sie mich: Was ist hier los?! Wieso machst du für das Gespräch nichts mehr?! Wieso schweigst du?! [131]

Prefer not, eh?” gritted Nippers [132]

 
In a well-known Marx Brothers joke Groucho answers the standard question [133]

“Steht unser Gebrauch dieser Worte unserem Gebrauch anderer Worte im Wege?“ [134]

“Ja und nein” sagte Ulrich.

„Also nein“ vollendete Agathe.

Da war es der Zufall, der ins Gespräch eingriff; als Ulrich, der weder Lust hatte, noch ruhig genug war, geschäftlich zu denken, in diesem Augenblick die vor ihm ausgebreiteten Schriften zusammenraffte, fiel etwas zur Erde. Es war [135]

 
ein befremdlich anmutendes Kunst-Deutsch, das weder Nähe zur Umgangs- noch zur Literatursprache besitzt, [136]

eine Sprache, die nur aus Fragen besteht und einem Ausdruck der Bejahung und der Verneinung. [137]

 
‘Tea or coffee?’ [138]

 
‘Yes, please!’ [139]  

– a refusal of choice. [140]

“At present I prefer to give no answer,” he said, and retired into his hermitage. [141]

 
Das europäische Mittelalter kannte den Extremfall von Schreibern, die als reine Kopisten oder Kalligraphen nicht lesen können mußten, was sie auf manuellem Weg vervielfältigten: den Diskurs des Herrn. [142]

Ich danke auch Eusebia Estes, Lyell Asher und Meredith Garmon für Schreib- und Korrekturarbeiten und Nancy Landau für sorgfältige Manuskriptbearbeitung. [143]

Nachdem der Katalog linkerhand überschrieben und dadurch ein Unikat entstanden war, wurde „Hochsitz“ von fleißigen Frauenhänden abgetippt, wobei eine geringfügig vom Original abweichende Variante entstand. [144]

Stein notierte in ihre Manuskripte mit dünnerem Stift private Botschaften und Liebesgedichte für Toklas, welche diese beim Abtippen der Arbeiten selbstverständlich fortließ. [145]

 
Auch alle anderen oben angeführten Abweichungen von der französischen „Normsprache“ ‚berichtigt’ Helmlé durchgängig und hebt sie auf die Ebene eines ‚korrekten’ Schriftdeutsch. [146]

Gleichzeitig läßt sich erkennen, daß Toklas’ Rolle bei der Herstellung des endgültigen Textes mehr als nur die einer Sekretärin war [147]

Die Textversion wurde maschinell gesichert, dann wurde von Firmenhistorikern die Entstehung von „Hochsitz“ dokumentiert. [148]

Und diese Leute [149]

konkret, die ProfessorInnen der Dekonstruktion und die Gelehrten all der Formen [150]

meinten, ich hätte jetzt zu bezahlen für dieses Studium und sollte mich um das Gespräch kümmern, [151]

“I would prefer not,” he replied, with his back still towards me.

“You must.”

He remained silent. [152]

 
When I get too tired of not having an identity, I take one on: [153]   

(...)

 

 

 

 

 

Dank an:


[1] Falkner 1996, [Titel].

[2] Dubiel XX Gehegte Konflikte X

[3] Lieger 2008, i [S. 2].

[4] Kramer 1993, 8.

[5] Vogel 2004, 13.

[6] Perec 1969, 267f.

[7] Vogel 2004, 13.

[8] Perec/Helmlé 1986, 285.

[9] Vogel 2004, 13.

[10] Fawcett 1997, 100.

[11] Kramer 1993, 9.

[12] Ganahl 1999,      

      [13] Gertrude Stein: “Off We All Went to See Germany. Germans should learn to be disobedient and GIs should not like them no they shouldn’t”, in: LIFE, 6. August 1945, zit. In: Kramer 1993, 7.

      [14] N.N., Leserbrief “aus New Jersey” auf den o.g. Artikel von G. Stein im Magazin LIFE, August 1945, zit. In: Kramer 1993, 7.

[15] Ganahl/Torimitsu 1999, 140.

      [16] Lieger 2008, i [S. 2].

[17] Van den Broeck 1993, 53.

[18] Ganahl/Torimitsu 1999, 140.

[19] Misik 30/07/06, 139.

[20] Mathews 1996, i (13)

[21] Perec/Helmlé 1986, 327.

[22] Holman & Boase-Beier 1999, 5.

[23] Perec 1969, 309.

[24] Marchart 1999, 125.

[25] Mathews 1996, i (13).

[26] Marchart 1999, 125.

      [27] Wodsak 1994, 297.

[28] Mathews 1996, i (9).

      [29] Hammer 2007, 139.

[30] Marchart 1999, 125.

[31] Perec 1969, 41.

[32] Marchart 1999, 126.

[33] Perec 1969, 31.

[34] Marchart 1999, 126.

[35] Perec 1969, 31f.

[36] Dubiel gehegte Konflikte :X

[37] Žižek 200, 94.

[38] Perec/Helmlé 1986, 328.

[39] Perec 1969, 310.

[40] Žižek 200, 94.

      [41] Riha 1980, 271.

[42] Perec 1969, 196.

[43] Žižek 200, 94.

      [44] Schneiders 1990, 172.

[45] Ganahl/Torimitsu 1999, 140.

[46] x sekundär über g. stein, s. 195f.

[47] Ariane Sadjed in: „Die eigenen Reihen stärken“, Antirassismus und Herbst-Wahlkampf, in: MALMOE 33, sommerloch 2006, 11.

[48] Misik 30/07/06, 139.

[49] Steyerl 2003, 27.

[50] Butler 1991, 209.

[51] Lieger 2008, i, [S.3].

[52] Misik 30/07/06, 139.

[53] Tawada 2001, 11.

[54] Bornstein 1995, 87.

[55] Steyerl 2003, 27.

[56] Bornstein 1995, 87.

[57] Tawada 2001, 11.

[58] Holman & Boase-Beier 1999, 5.

[59] Ganahl 1999, 127.

[60] Tawada 2001, 11.

[61] Bornstein 1995, 27.

[62] Priessnitz 1993b, 187f.

[63] Bornstein 1995, 27.

[64] where is it ??

[65] Copley 1973/1989, 191.

[66] Slackman 14/08/06, 4.

[67] Steyerl ?? get quote!

[68] Kindrow 1994, 144.

[69] Misik 30/07/06, 39.

[70] Pym 1998, 182.

[71] Jean-Pierre Bacri in: Assouline/Gouslan 2000, 11.

[72] Kindrow 1994, 144.

[73] Bornstein 1994, 46.

[74] Kindrow 1994, 144.

[75] Bornstein 1994, 46.

[76] Peter Waterhouse in: Waterhouse/Niedermeier 19.8.2009, 8.

[77] Jean-Pierre Bacri in: Assouline/Gouslan 2000, 11.

[78] Jean-Pierre Bacri in: Assouline/Gouslan 2000, 11.

[79] Bürger 1988, 213.

[80] Jean-Pierre Bacri in: Assouline/Gouslan 2000, 11.

[81] Schmeiser 2009, 64.

[82] Buden 2007, i.

[83] Jean-Pierre Bacri in: Assouline/Gouslan 2000, 11.

[84] Buden 2007, i.

[85] Murray 194, 191.

[86] Toni Morrison in: Morrison/Conrad, I 25.10.2009, i.

[87] Pym 1998, 182.

[88] Toni Morrison in: Morrison/Conrad, I 25.10.2009, i.

[89] Murray 194, 191.

[90] Deleuze/Guattari 1980, 9.

[91] Heisenberg 1979, 74.

[92] London Psychogeographical Association: The Luther Blissett 3-sided Football League, in: Marchart 1997, 43.

[93] Sonderegger 2004, 67.

[94] Derrida/Düttmann 1997, 123.

      [95] N.N. 2006, i [Synopsis zu: Exile Family Movie von Arash, A/Iran 1994-2006].

[96] N.N. (Flugblatt Audimax)  12.11.2009, o.S.

[97] Ariane Sadjed in: „Die eigenen Reihen stärken“, Antirassismus und Herbst-Wahlkampf, in: MALMOE 33, sommerloch 2006, 11.

[98] Lucida Console, in: http://en.wikipedia.org/wiki/Lucida_Console, (August 2006).

      [99] N.N. 2006, i [Synopsis zu: Exile Family Movie von Arash, A/Iran 1994-2006].

[100] Derrida/Düttmann 1997, 123.

      [101] N.N. 2006, i [Synopsis zu: Exile Family Movie von Arash, A/Iran 1994-2006].

[102] Lucida® Console, Description, in: http://www.ascendercorp.com/msfonts/lucida_console_regular.html, (August 2006).

[103] Derrida/Düttmann 1997, 123.

[104] Lucida Console, in: http://en.wikipedia.org/wiki/Lucida_Console, (August 2006).

[105] Derrida/Düttmann 1997, 123.

      [106] Fuchs 2006, 198.

[107] Hunning 2004, i.

[108] Lucida® Console, Description, in: http://www.ascendercorp.com/msfonts/lucida_console_regular.html, (August 2006).

      [109] Fuchs 2006, 198.

[110] Dubiel X gehegte konflikte

      [111] hausprojekt 2009, i.

      [112] Hunning 2004, i.

      [113] hausprojekt 2009, i.

      [114] Waqf, Definition, im Glossar zum islamischen Versicherungswesen, in: Ho/Staib/N.N. 2008, 50.

      [115] hausprojekt 2009, i.

      [116] Waqf, Definition, im Glossar zum islamischen Versicherungswesen, in: Ho/Staib/N.N. 2008, 50.

      [117] N.N. (hausprojekt) 2009, i.

      [118] Waqf, Definition, im Glossar zum islamischen Versicherungswesen, in: Ho/Staib/N.N. 2008, 50.

      [119] Shonto Councilman Harry Brown, zit. in: Geyer 2007, o.S. (#17).

      [120] N.N. (hausprojekt) 2009, i.

      [121] Oswald Wiener in: Wiener/Huemer 28.1.1999, r.

[122] Michel Foucault in : R. Bellour / Michel Foucault, entretien, in: Les Lettres françaises n°1125, 1966, pp. 3-4. In: Foucault 2001, #34.

[123] Hunning 2004, i.

[124] Michel Foucault in: R. Bellour / Michel Foucault, entretien, in: Les Lettres françaises n°1125, 1966, pp. 3-4. In: Foucault 2001, # 34

      [125] de Certeau/Vouillé 1988, 28.

      [126] Schreiber 1993,152.

[127] Marchart 1999, 133.

[128] Foucault 1969, 267.

[129] Žižek 2000, 90.

[130] Frechberger 2003, o.S.

[131] Gert Neumann in: Neumann/Czejpek/Waterhouse 1999, 112.

[132] Melville 1856/1985, 39.

[133] Žižek 2000, 90.

[134] Rorty X get!

[135] Musil 1970, 768.

[136] Wodsak 1994, 304f.

[137] Wittgenstein [1958] 1977, 24.

[138] Žižek 2000, 90.

[139] Žižek 2000, 90.

[140] Žižek 2000, 90.

[141] Melville 1856/1985, 38.

[142] Kittler 1985/2003, 134.

[143] Rorty 1989, 10.

[144] tongue tongue hongkong 2002, 96.

[145] Kramer 1993, 27.

[146] Wodsak 1994, 305.

[147] Kramer 1993, 27.

[148] tongue tongue hongkong 2002, 96.

[149] Gert Neumann in: Neumann/Czejpek/Waterhouse 1999, 112.

[150] Buden 2007, i.

[151] Gert Neumann in: Neumann/Czejpek/Waterhouse 1999, 112.

[152] Melville 1856/1985, 42.

[153] Bornstein 1995, 39.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

After Word

-  Und was ist das Thema?

-  Kein Thema, aber ein Titel: Lucida Console.

-  Soll das ein Witz sein?

-  Auch.

 

 

Gegeben sei ein Text, z.B. ein in besonderem Maß regelgebundener, 40 Jahre alter Text, ein Prototypentext: La Disparition. Georges Perec (1936-1982) schrieb dieses Sonderexemplar eines oulipotischen Textes 1969, mitten in der Hochzeit der Poststruktur, ein Text „au goût du jour“347. Der Text mäandert um eine Leerstelle herum, die er umschleicht, wie das goldene Kalb: das goldene e. Perec hat es sich zur Aufgabe gemacht (genau so, als gäbe es sonst keine Aufgaben, die es zu bewältigen gälte), einen waschechten, hieb- und stichfesten, ja sogar als Krimi verkaufbaren Roman zu verfertigen, der aus einem Manko ein Argument macht: er verwendet im Laufe der 300 Seiten kein einziges Wort, das mit dem Makel des e geschlagen ist: es kommt ohne den in der französischen Sprache häufigsten Buchstaben aus und tut dabei so, als wäre es ein Leichtes, ein Kinderspiel aus dem Sprachbastelbuch, Abschnitt Contrainte & Clinamen, oder: Selbstfesselung & Selbstentfesselung. Jeder einzelne Satz verlacht den einfachen Weg, man fühlt sich wie im Zirkus, Artisten, Tiere, Attraktionen jonglieren vor dem sprachlichen Auge mit dem Restwortschatz herum, als gälte es das Lipogramm als höchste der Kunstsportarten zu etablieren. Warum einfach, wenn es auch kompliziert und noch komplizierter geht? > > >
1986 erschien eine deutsche Übersetzung unter dem Titel Anton Voyls Fortgang bei zweitausendeins. Perecs Haus- und Hofübersetzer Eugen Helmlé (1927-2000), zog sich das „Zwangswams“362 über und legte los: Interessant sind die Unterschiede zwischen einer Übersetzungsprobe von 1977 und der 1986 publizierten Übersetzung: war die Herangehensweise in der ersten Fassung noch zögerlich und „uninspiriert“ so steht uns in der Letztfassung ein selbstbewusster Helmlé gegenüber, der bei den „unmöglichen“ Stellen, die ihn 9 Jahre vorher zum kleinlauten Rückzug (sprich: Kürzung) bewogen haben, nun seine deutsche Posaune auspackt und lauthals mit richtig falschen Tönen zum Gefecht bläst: gegen die glatte Rede, gegen den richtigen Ton, gegen die falsch verstandene Loyalität – unter verschärften Arbeitsbedingungen: nicht nur darf kein e gespielt werden, auch die schwarzen Tasten wurden gestrichen. Diese Bedingungen führen zum > > >
Bruch: mit dem Ausgangstext und zwar genau so, wie es der Ausgangstext, aka Original, selbst verlangt: das gewählte lipogrammatische Prinzip bewirkt eine bestimmte Art sprachlicher Normalitätsverweigerung, das darübergelegte Prinzip „Übersetzung“ interferiert mit der lipogrammatischen Folie und produziert so ein irritierendes Muster, das fasziniert und abstößt zugleich. Übersetzung als Technik des Oulipo, der Werkstatt für potentielle Literatur, ist nicht neu, neu wäre die Anwendung von Oulipo (z.B. „Übersetzung“) auf Oulipo („Original“) selbst. Also ein Experiment mit einem Experiment. Kann das gut gehen? Oder kann das Experiment nur gedeihen im Umfeld der Konvention? Wieviel Respektsabstand braucht z.B. Oulipo? Am Beispiel der Wandlung des „Loyalitätsverständnisses“ von Helmlé im Laufe seiner Beschäftigung mit dem Beispielstext, von der inhaltlich ausgerichteten „Nacherzählung“ (Zwang als Übel) hin zur offensiven Unterwerfung unter die Methode (Zwang als Kreativitätsinstrument), lässt sich feststellen: Der Schritt des Übersetzers aus der Defensive bedeutet für den Text einen > > >
Gewinn. Der äußert sich in den besten Fällen in (selbstreflexivem) Witz, in anderen Fällen in Holprigkeit und Misseton, welche aber immerhin als Verweiser fungieren – auf die Bedingungen der Textproduktion, was beim unauffällig Umschiffen der translatorischen wie methodischen Herausforderungen sang- und klanglos unterginge. Kein Gewinn ohne Verlust – verloren wird  in dieser Übersetzung also genau das, was auch der Ausgangstext schon über Bord geworfen hat: die Kontrolle. Beide Texte, Ausgangs- wie Zieltext, geben ihr Steuerungsinstrument aus der Hand, Text 1 gibt ab an die Methode, Text 2 gibt ab an Methode und an Text 1, wodurch der Kurs naturgemäß an Zacken gewinnt; („kurvenreich“ wäre dabei eine allzu abrundende Bezeichnung für das Ergebnis - ). Gewonnen werden weiters halluzinogene Formulierungen, akrobatische Zeitverhältnisse, absurdes Vokabular, das aus zeitlich wie räumlich großer Entfernung herbeigetragen wurde, um der Sache zu dienen – welcher Sache? > > >
Ziel & Zweck potentieller Literatur ist wohl das Aufzeigen der Möglichkeit ihrer selbst. Jeder Text ist der Beweis seiner eigenen Möglichkeit – n.m.&.n.w. – so wie auch jede Übersetzung zugleich der Beweis für die Möglichkeit der Übersetzung im Allgemeinen und Speziellen ist. Möglich sind dabei natürlich auch andere Lösungen, jedem Zweck seine Lösung. Manchmal mag eine Lösung / eine Übersetzung ihren Zweck verfehlen, in diesem Fall spricht man von „schlechter Übersetzung“ und fügt tausend Beispiele an. Im Umgang mit potentieller Literatur empfiehlt sich eine analoge Behandlung der Folgeprodukte: als ein Text von vielen, als Variante, als Transformation des Ausgangstextes, von dem viele Wege ihren Ausgang nehmen und sich einschreiben in den vom Ausgangs-Text aufgemachten Diskurs ... welcher wiederum Teil einer Kette, welche wiederum Teil eines Netzes, welches wiederum Teil eines Geflechtes von Texten, Diskursen, Kulturen ist. > > >
Dieses Gewebe ist der Stoff, aus dem der vorangegangene Text besteht. Ein Wort gibt das andere, ein Faden fädelt den nächsten ein, ein Anführungszeichen gibt dem nächsten die Hand, gibt den Redestab weiter – ein Staffellauf. Rede und Folgerede berühren sich also in mindestens einem Punkt, einem Bild, einem Begriff. Nicht immer ist dieser Übergang offensichtlich, manchmal scheint er unauffindbar. In jedem Fall aber muss, um von einer Rede zur anderen zu gelangen, eine Translationsebene eingezogen werden. Auf dieser Ebene begegnen einander Vorredner und Nachrednerin, Fuchs & Hase, Mann & Maus, Text & Metatext, Disziplinen, Redeweisen35, Sprachen aus jung & alt & nah & fern. Wie kommunizieren sie aber miteinander? > > >
Über uns. Während der Lektüre sehen wir uns mit der Aufgabe konfroniert, zwischen Rede und Folgerede eine Beziehung herzustellen. Der Staffellauf der Rede, dem wir assistieren, verlangt unsere Mitarbeit. Wie können wir den „Spalt zwischen den Panels“553 überbrücken, überspringen? Hier sind unsere Translationsmuskeln gefragt. Zwischen Rede und Rede ist ein Sprung zu machen, ein Translationssprung. Übung macht den Meister, jeder Sprung dient dem Aufbau der translatorischen Muskelmasse und bald schon hüpft es sich quer durch das Redegelände­ – Moment mal: wer hüpft? Wir alle. Während wir von Rede 1 zu Rede 2 „hüpfen“, verrichten wir Arbeit. Diese Arbeit steht nicht auf Papier, ist deswegen aber nicht weniger geleistet worden. Ein erstes Mal beim Benachbarn von Rede 1 mit Rede 2, ein, zwei und hoffentlich viele weitere Male beim wiederholten Besuch des Geländes. Im Verlauf dieses Besuchs wird also Arbeit nicht vorgeführt, sondern es darf live geschuftet werden. Der Boden ist bereitet, die Weichen sind gestellt. > > >
Dieses Panoptikum der Redeweisen entpuppt sich also als Kraftkammer der Translation. Kaum wurde eine Redebühne aufgebaut, schon muss wieder eine Translationsebene eingezogen werden, um den „fliegenden Wechsel“ zur nächsten Rednerbühne zu bewerkstelligen. Und was redet der Kollege da? Schon wieder Französisch? Oder etwa Soziologie? Hier wird deutlich: sowohl zum Aufbau der Translationsebenen, wie zum Abbau von Sprachbarrieren ist translatorische Fachkraft vonnöten. Was von vielerlei Hand errichtet wurde, kann von ebensovielerlei Hand auch wieder abgetragen / ausgebaut werden. Ein niederschwelliges Übungsgelände bietet der Playground > > >
Lucida Console: Gestützt auf ihren Redestab, gehüllt in ihre Logocloud, hantelt sich Lucida Console an mehreren Themenfeldern mit Haltegriffen an den Wänden entlang, switcht durch die Gesprächsraumzeit27 und scheut die leere Mitte, denn die ist Programm – Liprogramm: Bitte die Leerstelle freihalten steht deutlich sichtbar am Eingang zum > > >
Translatorium Maximum, und: Worüber man hier sprechen kann, das kann man ebensogut auch zeigen.
 
 
 
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Kollektive Lesungen:

 

 

riots trio

riots im trio, Lesung im Wiener fluc mit Lese-Gästen aus dem Publikum, anlässlich der Buchpräsentation von "Riots im gläsernen Käfig / Anarchistische Gegenentwürfe / Zwischen Panzern und Piraten", hg von Robert Prosser, erschienen in der Edition Aramo, reihe unter druck, Wien 2015. (Fotos: Christoph Sulyok)