Belgrader Mauerschau / Peepshow

Straßenschlacht der ZZZ...eichen

Belgrad, August 2022

 

Für die Präsentation der Belgrader Mauerschau im Rahmen der Transmedialen Poesiegalerie, 3.–5. November 2022,

in der poesiegalerie, c/o IG Architektur, Gumpendorferstraße 63B, 1060 Wien, kuratiert von Günter Vallaster,

baute ich einen "Giftschrank mit Triggerklappen":

 

Belgrader Mauerschau Peepshow

 

BM-P klappen

 

BG-P Detail 1

 

Nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine am 24. Feber 2022 fanden sich auf den Straßen von Serbiens Hauptstadt Belgrad immer mehr Zeichen der Unterstützung der russischen Armee in Form des „Z“, mit dem die russischen Panzer markiert sind, teilweise ergänzt durch einen – perfiden – Verweis auf den 9. Mai, den „Tag des Sieges“, der seit dem Sieg der Alliierten über Nazi-Deutschland 1945 gefeiert wird. Als ich Mitte Mai 2022 zum ersten Mal durch die von diesen kriegsverherrlichenden Symbolen übersäten Straßen Belgrads spazierte, war ich von deren massiver Präsenz schockiert.

Gleichzeitig gab es offenbar Gruppen, die jenes neue Kriegs-Symbol, dieses omnipräsente „Z“, mit einem zweiten, diagonalen Strich durchkreuzten und es so zu dem Symbol der radikalen Klimaschutz-Bewegung „Extinction Rebellion“ transformierten, tw. ergänzt durch Anti-Kriegs-Parolen wie „STOP WAR / NE RATU“.

Die hier verwendeten Aufnahmen stammen von meinem zweiten Besuch Anfang August 2022. Einige der Graffiti, die ich beim ersten Besuch im Mai vorfand, waren da bereits übermalt oder entfernt, wie zB am Eingang zum Historischen Museum. Die meisten waren jedoch an denselben Stellen auffindbar. Die rund 60 Fotos wurden im Laufe von 2 Nachmittagen gesammelt.

https://vimeo.com/742085842  (Passwort: netvojne)

BM-P 1

BM-P 2

BM-P 3

BM-P 4

Weiterführende Informationen:

Belgrade‘s ‚Graffiti War‘ Over Russia‘s Invasion Of Ukraine. On the streets of the Serbian capital, supporters and opponents of Russia‘s invasion of Ukraine are making their opinions known with spray paint. In: Radio Free Europe / Radio Liberty, May 11, 2022,
https://www.rferl.org/a/belgrade-graffiti-war-ukraine/31844426.html

Prozess wegen Z-Symbol: Der allerletzte Buchstabe. Das Hamburger Amtsgericht verurteilt einen 62-Jährigen, der ein Z-Symbol im Auto angebracht hat. Der Angeklagte bestreitet jede politische Bedeutung. In: taz 25.10.2022
https://taz.de/Prozess-wegen-Z-Symbol/!5887137/

 

 

 

BG-P text

BM-P light

BM-P front

 

 

 

Giftschrank + N

Giftschrank mit Peep-Teppich + ND (Aufbaufotos: Günter Vallaster)

Auch zur Eröffnung der Transmedialen Poesiegalerie schrieb Kirstin Breitenfellner einen Kurzbericht auf der >>> Seite der Poesiegalerie:

 

Achtzehn Uhr, Tag zwei der fünften Poesiegalerie. Die Sessel sind zur Seite geräumt, der Raum der IG Architektur wirkt plötzlich doppelt so groß. Günter Vallaster eröffnet die von ihm kuratierte Transmediale Poesiegalerie, die die Wortkunst flankiert und erweitert, indem er das Publikum auf einen Rundgang durch die Exponate mitnimmt.

Ein Plexiglassturz enthält Postkarten der Dichterin und Zeichnerin Brigitta Falkner. Sie kann nicht persönlich da sein, weil sie tags zuvor den Georg-Trakl-Preis in Salzburg erhielt. Das Objekt von Natalie Deewan mit dem Titel „Belgrader Mauerschau“, eine Text-Peepshow, fügt sich passgenau ins Fenster ein. Davor liegt ein Teppich, der die Betrachtung des Kunstwerks bequemer macht. Rechts davon hängt Wolfgang Helmharts Datenpoesie auf der Grundlage von Goethes „Werther“, links davon die Filmhieroglyphen von Renate Pittroff. Laura Nußbaumers „Blackout Poem“ löscht Wörter aus, die übriggebliebenen ergeben einen neuen Text. Christoph Theiler steuert mit „Schwerer Unfall mit Rasenmäher“ ein Werk bei, auf dem die Zeichen sich selbst ermächtigen und eigene Ausdrucksformen entwickeln. Andrea Knabls filigrane Zeichnungen, ein Kopf und ein Herz, sind ein Originalbeitrag für die Transmediale Poesiegalerie. Jörg Zemmlers Beitrag ist ein Fake-Kunstkatalog namens „FUENF ZIEGEN“ mit Wort-Werken wie „NUECHTERN STAUBSAUGEN“ (€ 365,–; reserviert), „UNSCHLUESSIG“ (€ 185,–) oder „ERHABEN“ (€ 160,–). Die titelgebenden fünf Ziegen („ZWEI SOLCHE EINE SOLCHE UND ZWEI WEITERE GRASEN STILL ZUFRIEDEN VOR SICH HIN“) sind anscheinend schon verkauft.

https://www.poesiegalerie.at/wordpress/2022/11/10/der-fuenften-poesiegalerie-zweiter-tag/